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Deutscher Hautkrebskongress 2023- Früherkennung

Verantwortlicher Autor: Lydia Budiner Hohen Neuendorf/OT Borgsdorf, 19.09.2023, 12:13 Uhr
Presse-Ressort von: Abgehakt Bericht 7008x gelesen
Ist das Hautkrebs? Das ist hier die Frage
Ist das Hautkrebs? Das ist hier die Frage  Bild: Lydia Budiner (Stand von Almirall, ADO 2023)

Hohen Neuendorf/OT Borgsdorf [ENA] Wer kennt das nicht aus der Kindheit in den 1970-er und 1980-er Jahren: Urlaube in Spanien und Italien waren erst wirklich gut, wenn ein intensiver Sonnenbrand Teil des Standerlebnisses wurde. Doch: Die Haut vergißt nichts! Der Hautkrebs kommt erst im Alter, wenn die Jugendsünden fast vergessen sind

Wer kennt das nicht aus der Kindheit in den 1970-er und 1980-er Jahren: Urlaube in Spanien und Italien waren erst wirklich gut, wenn ein intensiver Sonnenbrand Teil des Standerlebnisses wurde. Ein Sonnenbrand und eine braune Haut waren wie eine Trophäe – wer nicht in ihren (zweifelhaften) Genuss gekommen war – der hatte gar keine wirklichen Ferien erlebt. Doch: Die Haut vergißt nichts! Der Hautkrebs kommt erst im Alter, wenn die Jugendsünden fast vergessen sind.

Sonnenbrände als Wohlstandsindikatoren

Wer kennt das nicht aus der Kindheit in den 1970-er und 1980-er Jahren: Es gab Öle und Cremes, die die Bräunung beschleunigen sollten und hellhäutige Menschen, die bei größter (Mittags-) Hitze in der Sonne regelrecht gebraten wurden. Die gebräunte Haut zeigte: Ich war im Urlaub, am Strand, habe es mir so richtig gut gehen lassen. Nach den Schulferien erzählte man sich dann nochmal Geschichten über pellende Haut, schlaflose Nächte mit Sonnenbrand und Methoden, wie Sonnenbrände schnell wieder geheilt werden konnten. Ein Sonnenbrand und eine braune Haut waren wie eine Trophäe – wer nicht in ihren (zweifelhaften) Genuss gekommen war, der hatte keinen Urlaub, keine echten Ferien gehabt.

Babyboomer sind noch aufgewachsen mit der Vorstellung, dass Sonne nur gut sei und ein anständiger Sonnenbrand erst einen Sommerurlaub richtig rund macht. An den südeuropäischen Stränden lagen daher alljährlich die anfänglich bleichen, dann knallroten und schließlich sich pellenden mehr und mehr bräunenden Urlauber*Innen. So war das und so war das vor allem in den Jahren, in denen die Baby-Boomer jung waren. Die künstliche Höhensonne durfte in vielen Haushalten auch nicht fehlen -denn Sonne war einfach zu wichtig, zu gesund um die UV Strahlen im Winter gegebenenfalls zu verpassen. Die Höhensonne bestand dabei aus einer Quecksilberdampf-Lampe, die Licht mit hohem UV-Strahlen-Anteil erzeugte. Gesund eben...

Sonnenstudios waren eine Option für die, die nicht wegfahren konnten – die kamen dann ebenfalls braun gebrannt nach den Ferien in die Schule. Doch schon lange konnte man gerade bei den erwachsenen Sonnenbänkern beobachten, wie aus der braunen Haut eine ledrige Haut wurde, die schneller alterte, als die Haut der Nicht-Sonnenbänker. Mittlerweile ist die Benutzung der Sonnenstudios eingeschränkt, ihre Zahl deutlich geschrumpft, ihr Besuch nur noch bestimmten Altersgruppen vorbehalten.

Die Rechnung für die Sonnenbankbesuche, die Sonnenbrände unserer Kindheit, die kommt erst viel später – und nennt sich Hautkrebs. Was bedeutet das für die nächsten Jahre in denen wir Baby-Boomer in die Jahre und evtl. in den zweifelhaften Genuss unserer Hautkrebse kommen werden? Hautkrebs tritt nämlich erst in den späteren Lebensjahren gehäuft auf- die Haut vergißt eben nichts. Da kommt eine große Welle auf uns zu.

Hautkrebs - die Haut vergißt nie

»Die Haut vergisst nichts«, diesen Spruch kennen viele Menschen. Der Spruch bezieht sich vor allem auf die Empfindlichkeit von Kinderhaut gegenüber ultravioletten Strahlen. Da Kinderhaut deutlich dünner ist, als die Haut von Erwachsenen und die UV-empfindlichen Stammzellen viel dichter unter der Hautoberfläche liegen, sind diese den UV-Strahlen stärker ausgesetzt als in späteren Jahren. Ferner ist die Fähigkeit der kindlichen Haut, sich durch Pigmenteinlagerungen zu schützen, in jungen Jahren noch nicht ausgereift. Es wird davon ausgegangen, dass viele Hautkrebserkrankungen die Folge UV-bedingter Schäden in früher Kindheit sind. Gefährlich sind Sonnenbrände, aber auch leichtere UV-Schäden, die sich in ihrer Wirkung summieren.

Das schwarze Melanom ist mit wiederholt hoher UV-Belastung assoziiert. Sonnenbrände im Kindes- und Jugendalter erhöhen das Risiko an einem Melanom zu erkranken um das Zwei- bis Dreifache. Die Fallzahlen von Hautkrebs in Nordeuropa sind deutlich angestiegen (mit zeitlicher Verzögerung), nachdem südliche Länder wie Italien in den 1950er-Jahren zum beliebten Sommerreiseziel avancierten. Auch wenn die Ursachen in der Jugend liegen, Hautkrebs ist dennoch ein Krebs des späten Lebensalters – weißer Hautkrebs tritt z.B. ab dem 70ten Lebensjahr deutlich häufiger auf als bei jüngeren Menschen, wie Daten vom Statistischen Bundesamt und der Barmer EK belegen.

Hautkrebs - ein Krebs des höheren Lebensalters (Quelle Statist. Bundesamt)
Der weiße Hautkrebs am stärksten zu (Quelle Barmer)
Trotz steigender Fallzahlen - die Sterberate nimmt nicht zu (Quelle Statist. Bundesamt)

Weißer Hautkrebs spielt insgesamt eine wachsende Rolle unter den Hautkrebserkrankungen. Die Barmer EK zeigt in einer Übersicht, dass die Hautkrebs-Diagnosen deutlich steigen. Die Fallzahlen beim hellen Hautkrebs sind im Betrachtungszeitraum 2011 bis 2018 schneller gestiegen als bei schwarzem Hautkrebs. Beim Melanom hat sich die Fallzahl im selben Zeitraum von rund 300.000 auf 374.000 Personen erhöht. Zudem scheint es massive regionale Unterschiede beim Auftreten des hellen Hautkrebses zu geben. Während Baden-Württemberg zwischen den Jahren 2011 und 2018 einen Anstieg um 49,6 Prozent von 152.900 auf 228.800 Patienten verzeichnete, betrug das Plus in Hamburg 24,7 Prozent, und zwar von 25.100 auf 31.300 Betroffene.

Der wachsenden Inzidenz stehen bisher keine deutlich steigenden Sterbefälle beim hellen Hautkrebs (C44) gegenüber, wie Daten des statistischen Bundesamtes aus einem vergleichbaren Zeitraum zeigen (siehe Abb.). Babyboomer dürften also in den nächsten Jahren nochmals zu einem deutlichen Anstieg der Inzidenzen beitragen – je älter die Baby-Boomer werden um so mehr. Entsprechend wichtig ist es, die Früherkennunguntersuchungen regelmäßig zu nutzen, denn gerade bei weißem Hautkrebs sind die Behandlungserfolge nach einer Operation bei ausschließlich lokaler Begrenzung hoch. Je länger mit dem Gang zum Arzt im Verdachtsfall gewartet wird, desto länger hat der Tumor Zeit zu wachsen und eventuell dann schon Absiedlungen (Metastasen) zu bilden.

Da oft der Krebs in sonnen- und lichtexponierten Körperregionen auftritt, die ganztägig sichtbar sind -z.B. auf dem Kopf, im Gesicht – sind die Auswirkungen von kleinen Operationen geringer, als wenn zu lange gewartet wird. Es ist also sinnvoll sich selbst immer mal gründlich ins Gesicht zu schauen und im Spiegel auf Veränderungen am Körper zu achten. Worauf man achten sollte? Dazu gibt es von den Hautärzten ein paar Tipps.

Hautkrebs früh erkannt- Gefahr gebannt?

Je früher Hautkrebs erkannt wird und je besser er operiert werden kann, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Einige Faktoren, die jeder Mensch selbst im Auge behalten kann, sind die nachfolgend in der ABCDE- Selbstinspektion dargestellten, die auch vom Dermatologen in der Hautkrebsvorsorge – genauer mittels eines Auflichtmikroskopes – unter die Lupe genommen werden. Sie gehen zurück auf eine Untersuchung von Bono et al aus dem Jahr 1999.

Die ABCDE-Regel ist eine gute Eselsbrücke, wenn es um die Selbstinspektion geht (siehe dazu auch die häufigsten Lokalisierungen von hellem Hautkrebs in Abb. 3). Pigmentmale mit folgenden Eigenschaften sollten auf jeden Fall noch einmal bei einem Hautarzt vorgestellt werden: • A wie Asymmetrie (unregelmäßige Form) • B wie Begrenzung (uneben, rau, zackig) • C wie Colour (unterschiedliche Farbanteile) • D wie Durchmesser (mehr als 2 cm) • E wie Evolution (Veränderung) oder Erhabenheit (der Fleck ragt auf der Haut heraus)

Verdächtig mit Blick auf das Plattenepithelkarzinom sind scharf begrenzte Hautrötungen mit schuppiger, sandpapierartiger Oberfläche (aktinische Keratose). Sie finden sich bevorzugt an Lichtterrassen wie Gesicht und Händen. An ein Basalzellkarzinom ist vorsorglich bei roten Flecken, Vernarbungen oder knotigen, von Äderchen durchsetzten Hautveränderungen zu denken. Sie können jedoch auch ganz unspektaktulär daherkommen und als einfache, helle Knötchen in Erscheinung treten.

Je früher der Hautkrebs erkannt wird, desto besser sind die langfristigen Heilungschancen – vor allem durch Operationen. Je weiter der Hautkrebs fortgeschritten ist, desto eher werden dann Medikamente eingesetzt, die mittlerweile erfolgreich in der Behandlung eingesetzt werden. Zu diesen Therapieoptionen tauschten sich die Experten auf dem ADO aus. Weitere Infos zu Hautkrebs: Basisinformation Hautkrebs - Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie - ADO - Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ado-homepage.de) https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Nicht-melanotischer-Hautkrebs/nicht-melanotischer-hautkrebs_node.html https://www.barmer.de/presse/presseinformationen/pressearchiv/heller-hautkrebs-1059242

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